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Maßnahmen für eine bessere Work Life Balance

Das Thema Work Life Balance wird einfach nicht alt, das Verhältnis von Lebens- zu Arbeitszeit muss immer wieder neu ausverhandelt werden, und dafür gibt es einige simple Maßnahmen.

Aktualisiert am 25/09/2022 von Bettina Kapfer

Inhaltsverzeichnis

Arbeit und Leben balancieren

Unter Work Life Balance versteht man in der Regel, dass sich das Verhältnis von Arbeitsleben und Privatleben in einem ausgewogenen Verhältnis gegenüberstehen. Und ich vermute, dass Sie diesen Artikel gerade lesen, weil es da ein Ungleichgewicht gibt. Und ich vermute weiters, dass es sich nicht um eine Dysbalance zugunsten des Privatlebens handelt. 😉

Die meisten wollen...

…mehr Leben.

Denn normalerweise stört es uns nicht, wenn wir ausreichend Zeit für Freunde, Familie und Hobbies haben. Das Thema Work Life Balance – und die Notwendigkeit von Maßnahmen, um die Balance wiederherzustellen – kommt in der Regel nur dann aufs Tablett, wenn die Arbeit bzw. das Ausmaß der Arbeit als belastend empfunden wird. Zu mindestens war bei mir noch niemand im Coaching, der gerne mehr Arbeit und weniger Privatleben haben wollte…

Die häufigsten Probleme

Themen, die häufig auftauchen im Zusammenhang mit Work Life Balance (neuerdings auch Lebensbalance genannt) sind:

Maßnahmen gegen zu viele Arbeitsstunden

Sei es wegen Termindrucks, oder weil generell zu viel Arbeit da ist / zu wenig Personal eingestellt wird – Überstunden sind der Feind der Erholung.

Wenn lange oder unklare Arbeitszeiten es verhindern, Freizeit gezielt für Erholung zu nutzen, dann fühlt sich das nicht gut an. Insbesondere, wenn der Druck aus dem Umfeld steigt, sich zu treffen bzw. nicht so unzuverlässig zu sein, weil zB kurzfristiger Absagen irgendwann dann nicht mehr mitgetragen werden.

Das ist eine Situation, in der man sich richtig zerrissen fühlt. Denn einerseits will man ja seinen Job richtig gut machen, und da gehören Überstunden halt manchmal einfach dazu. Und gleichzeitig möchte man auch Freund*innen und Familie sehen und Quality Time mit ihnen verbringen.

Und hin und wieder ein bisschen Zeit für sich selbst wäre ja schließlich auch nett.

Irgendwann wird man keiner Seite mehr gerecht, fühlt sich nur noch unausgeglichen. Also spätestens dann, wenn das Gefühl, es niemanden Recht machen zu können, nicht mehr weggeht, ist es Zeit, sich Maßnahmen zu überlegen, um Arbeit und Freizeit wieder in eine gute Balance zu bringen.

Selbst- und Zeitmanagement

Wenn die Organisation der Arbeit seitens des Arbeitgebers nicht gut funktioniert und der Grund für die vielen Überstunden ist, klingt es vielleicht zynisch, wenn ich jetzt mit „Zeitmanagement“ und „Selbstmanagement“ daher komme.

Aber es ist leider so, dass wir auf andere oft keinen Einfluss nehmen können. Hingegen haben wir es selbst in der Hand, wie wir die Dinge angehen.

Und genau daher komme ich mit der Frage:

„Gibt es noch Potential, das Selbst- und Zeitmanagement zu verbessern, eventuell neue Zeitmanagement-Methoden auszuprobieren?“

Ein spannender Gedanke steckt zum Beispiel im Pareto-Prinzip. Demzufolge kommen 80% unseres Erfolgs von nur 20% des Aufwands. Es macht daher durchaus Sinn, alle Aufgaben daraufhin zu untersuchen, in welche Kategorie sie fällt, und ob es sich lohnt, viel Zeit darauf zu investieren.

Mehr zum Pareto-Prinzip und zum Thema Zeitmanagement allgemein finden Sie im Blogartikel zu den 26 effektivsten Zeitmanagement-Methoden

Ein offenes Gespäch

Oft haben wir die fixe Idee im Kopf, dass man auf keinen Fall sagen darf, dass die Aufgaben zu viel werden.

Und gleichzeitig ist es aus Sicht von Vorgesetzten ohne Rückmeldung nicht möglich, ein genaues Bild von der Arbeitsbelastung zu haben.

Ein Sprichwort das ich sehr gerne mag, weil es sich schon so oft bewährt hat: „Durch’s Redn kumman d’Leit zaum“. Auch wenn es Psycholog*innen immer wieder unterstellt wird – (noch) können Menschen nicht Gedankenlesen. Ein offenes, ehrliches Gespräch bewirkt manchmal Wunder.

Eigene Anforderungen reflektieren

Manchmal sind es auch gar nicht die externen Anforderungen, sondern unsere Persönlichkeit, Vorstellungen und Glaubenssätze, die dazu führen, dass wir uns besonders anstrengen.

Eine Freundin hat neulich erzählt, dass sie täglich zwei Überstunden macht, um ihre Akten bewältigen zu können. Und das, obwohl ihr Chef schon zu ihr meinte, dass das nicht notwendig ist, und sie weniger machen soll.

Und wenn man weiß, dass sie sehr ehrgeizig ist, und sich in dem neuen Job jetzt von Beginn an beweisen und von ihrer besten Seite zeigen möchte, dann wird auch verständlich, warum sie es nicht schafft, die Akten etwas länger liegen zu lassen.

Wenn also der Grund für die Schieflage der Work Life Balance in einem selbst begründet ist, dann braucht es einen sehr ehrlichen, reflektierten Blick auf sich selbst, um ein Bild von einer möglichen Lösung zu entwickeln.

Beispielsweise hätte es meiner Freundin sehr wahrscheinlich nicht geholfen, wenn ich sie nochmals darauf aufmerksam gemacht hätte, dass ihr Chef das offenbar ohnehin nicht von ihr erwartet.

Ich weiß, dass sie sich gerade jetzt zu Beginn beweisen will, und das ist eine sehr gute Seite von ihr, die sich nicht einfach ins Eck stellen lässt. Da braucht es schon eine gute Idee, wie sich diese ehrgeizige Seite von ihr sonst profilieren kann, wenn nicht durch rasches und gewissenhaftes Abarbeiten der Akten.

Maßnahmen für mehr Erholung

Abschalten können bzw. Entspannen lernen

Stress in der Arbeit führt oft auch dazu, dass die Erholung mit auch Feierabend nicht einsetzen kann. Denn während des stressigen Arbeitstages fluten Stresshormone unseren Körper, damit wir die Anforderungen bewältigen und leistungsfähiger sind.

Wenn der Stress den ganzen Tag andauert führt das aber auch dazu, dass mit Feierabend diese Botenstoffe immer noch im Körper sind.

Dann können wir uns gedanklich weiterhin nicht von der Arbeit lösen, und auch der Körper bleibt weiterhin angespannt im Kampf-Modus.

Gleichzeitig sind wir von dem stressigen Tag so erschöpft, dass wir auch keine Energie oder Selbstbeherrschung mehr haben, um angenehme, erholsame Dinge zu tun.

Etwas Bewegung oder sportliche Betätigung wäre zum Beispiel die perfekte Methode, um die Stresshormone im Körper abzubauen (vgl. Steinzeitmenschen, die die körperliche Aktivierung zum Beispiel im Kampf gegen wilde Tiere oder sonstige Bedrohungen gleich genutzt und dabei abgebaut haben).

Aber das fühlt sich oft nach einem Ding der Unmöglichkeit an. Die Couch lässt grüßen.

 

Abhilfe schaffen hier erprobte Stressbewältigungstechniken, um Stress gar nicht erst so schlimm werden zu lassen. Und weil Stress in unserem hektischen Alltag meist nicht komplett vermieden kann, gibt es auch wissenschaftlich fundierte Entspannungstechniken, die uns wieder zur Ruhe kommen lassen. Ausführliche Informationen dazu finden Sie im entsprechenden Blogartikel zu Stressbewältigungsstrategien und Entspannungsmethoden.

Maßnahmen für Grenzen zwischen Beruf und Freizeit

Entgrenzung der Arbeit: Unser Home wird immer öfters zum Office, und die Grenzen zwischen beruflich und privat verschwimmen oder verschwinden sogar gänzlich. Das Diensthandy hat dazu einen glorreichen Beitrag geleistet. 

Maßnahmen für eine bessere Work Life Balance durch Grenzziehung und Übergangsrituale zwischen Arbeit und Freizeit können vielfältig sein, und sollten aber auch immer an die individuellen Verhältnisse angepasst werden. Hier ein paar Ideen:

Arbeit verstecken

Ideal wäre natürlich räumliche Trennung, dh ein eigener Raum für die Arbeitstätigkeit.

Jo eh. Aber das ist halt nicht immer möglich.

Also falls das nicht möglich ist, könnte man sich überlegen, ob es immerhin möglich ist, zB am Feierabend oder für arbeitsfreie Tage das Arbeitsmaterial außer Sichtweite zu bringen. Das kann sich zwar mühsam anfühlen, aber letztlich gilt „Out of sight, out of mind“

Arbeits- vs. Freizeitkleidung

Arbeitskleidung bzw. der Wechsel von Kleidung war für viele von uns früher beim Heimkommen selbstverständlich, ist aber im Homeoffice oft nicht nötig.

So gemütlich es ist, in der Jogginghose die Zoom-Meetings zu absolvieren – am Ende des Tages sollten Sie dann zumindestens in eine andere Jogginghose wechseln. 😉

Möglicherweise fällt Ihnen auch noch etwas zusätzlich ein, um aus dem Umziehen ein richtiges Ritual zu machen, das signalisiert: „Jetzt ist Feierabend“.

Vielleicht fällt Ihnen ein Übergangsritual aus der “Pre-Homeoffice-Zeit” ein, das Sie in neuer Form wieder aufleben lassen können?

Zeit für Übergänge

Auch der Weg von und zur Arbeit hat ein geistiges Umschalten in den jeweiligen Modus gebracht.

Im Homeoffice fällt diese Distanz – auch zeitlich – logischerweise weg. Ich habe schon von vielen Menschen gehört, dass sie deshalb ganz bewusst am Ende eines Homeoffice-Arbeitstages nach Abschalten des PCs aus den eigenen vier Wänden hinaus gehen, und eine kleine Runde drehen.

Diese Zeit des Spazierens und Nichtstuns (am besten, sofern möglich, keine Gespräche oder sonstigen Ablenkungen!) gibt dem Gehirn beim Übergang in den Feierabend noch die Möglichkeit, die Geschehnisse des Arbeitstages zu verarbeiten und abzuschließen. Gerne auch etwas zu Schreiben mitnehmen, damit To Dos oder sonstige wichtige Einfälle festgehalten werden können.

Mit dem Aufschreiben gibt man dem Gehirn die Möglichkeit, diese Punkte auch wirklich loszulassen für den Feierabend, weil durch das Aufschreiben sichergestellt ist, dass es nicht vergessen wird.

Wäre das auch für Sie eine Möglichkeit?

Flugmodus fürs Arbeits-Handy

Ich muss es glaube ich nicht extra erwähnen, tue es aber doch, weil es ein absolut wichtiger Punkt ist: Arbeits-Handy aus.

Nicht auf vibrieren.

Nicht auf lautlos.

Sondern mindestens in den Flugmodus bis zum nächsten Arbeitstag.

Sonst sieht man doch noch am Display die eine oder andere Nachricht oder entgangenen Anruf.

Und auch wenn man nicht zurückruft, so schwirrt es doch im Kopf herum, was der Grund gewesen sein könnte…und ist gedanklich schon wieder in der Arbeit. Und nichts führt so schön zu Gedankenkreisen wie ein “open loop”, also eine unerledigte Sache.

Also: Arbeitshandy in den Flugmodus oder ausschalten!

Klare Kommunikation über Verfügbarkeiten

Vielleicht haben Sie beim letzten Punkt „Handy ausschalten“ ein bisschen gezuckt.

„Aber was, wenn mich jemand dringend erreichen muss?”

Und natürlich gibt es Fälle, in denen wir erreichbar sein MÜSSEN. Und meistens ist es keine absolute Notwendigkeit, sondern das Gefühl, dass wir erreichbar sein SOLLTEN.

Der nächste Punkt ist daher die Einladung zu reflektieren, an alle, die sich mehr Balance zugunsten von Life wünschen:

„Wie unerlässlich ist meine Erreichbarkeit – und zu welchen Zeiten?“

Ich habe ein paar Monate Teilzeit gearbeitet, mit Arbeitszeiten nur von Mittwoch bis Freitag. Montag und Dienstag, wo alle voller Energie in die Woche starten war ich daher nicht verfügbar.

Einer der wichtigsten Punkte, damit das gut funktioniert hat war dabei

1. Meine Erkenntnis, dass die (Arbeits-)Welt sich weiterdreht, wenn ich an diesen Tagen nicht greifbar bin. Meine Einstellung dazu war sicherlich am wichtigsten.

Und 2. Eine deutliche und klare Kommunikation, dass ich eben nicht verfügbar bin (auch in meiner E-Mail Abwesenheitsnotiz).

Dazu hat auch gehört, dass ich nicht bei der ersten Gelegenheit eingeknickt bin und eben nicht angeboten habe, doch „für eine Stunde online zu gehen“.

Es wäre vielleicht manchmal tatsächlich möglich gewesen. Aber meine klare Entscheidung und Kommunikation, dass das außerhalb meiner Arbeitszeiten liegt, hat absolut dabei geholfen, dass das gut akzeptiert wurde und funktioniert hat.

Die eigene Persönlichkeit kennen

Freiheiten, wann und wo zu arbeiten, wo wir wollen führt dazu, dass wir selbst uns aktiv für Erholung entscheiden müssen – das wurde uns früher abgenommen.

Ehrgeiz, Perfektionismus und Gewissenhaftigkeit überfahren dann oft das Entspannungsbedürfnis.

Das sind alles tolle Eigenschaften, die Erfolg und Anerkennung sichern.

Dagegen ist also erst mal nichts einzuwenden – es sei denn, es kommt ein Leidensdruck dazu.

Dann sollte man die eigenen ehrgeizigen Seiten, die ja ein wichtiger Teil oder Beraterin von uns sind verhandeln lassen, mit jenen Teilen die sich mehr Entspannung und Freizeit wünschen.

Das könnte zum Beispiel eine Seite von einem sein, die sich mehr Zeit wünscht, um einem Hobbie nachzugehen, in dem sie sich selbst verwirklichen kann. Selbstverwirklichungsseite und die Ehrgeiz-Seite finden dann hoffentlich einen Kompromiss, den beide mittragen können. Im Coaching kommen da oft wunderbare Ideen, wie sich beides erreichen lässt!  

Es gibt also verschiedene Gründe dafür, warum sich das Verhältnis von Arbeit zu Freizeit nicht gut anfühlt. Und manchmal kommen auch mehrere Gründe zusammen. Und wenn dieser Spannungszustand länger aufrecht bleibt, dann fühlen wir uns zerrissen, als ob wir keinem Bereich mehr gerecht werden.

Wenn Sie diesen Gedanken kennen, und der Leidensdruck größer wird, dann ist es definitiv an der Zeit für Maßnahmen, um die Work Life Balance zu verbessern.

Und das sollten nicht nur Maßnahmen im Freizeitbereich sein. Immerhin verbringen wir enorm viel wertvolle Lebenszeit in der Arbeit. Es heißt nicht zufällig „Arbeitsleben“.

Also auch wenn es meistens darum geht, dass wir uns mehr Freiraum für Freizeit wünschen, sollten wir grundsätzlich auch immer daran arbeiten, Arbeit so zu gestalten, dass sie lebenswert ist! 

Unterstützung für Ihre Work Life Balance

Gerne können wir uns das Thema auch in einem individuellen Gespräch im Coaching näher ansehen. Vereinbaren Sie gerne ein kostenloses Kennenlern-Telefonat oder einen Coaching-Termin in meinem Terminbuchungs-Tool!

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