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Warum es so schwierig ist, Gewohnheiten zu änderen

Wie geht es Ihnen eigentlich mit Ihren Neujahrsvorsätzen? Das ist eine gemeine Frage, ich weiß. Und ich stelle sie nicht einfach so, sondern weil ich weiß, dass es vielen Menschen verdammt schwer fällt, neue Gewohnheiten zu festigen, und ihre Vorsätze auch wirklich Realität werden lassen. Und das ist nicht, weil sie faul oder undiszipliniert sind. Der Grund ist vielmehr die Art und Weise, wie unser Gehirn funktioniert. Normalerweise genial, aber stur wie ein Esel, wenn es ums Ändern von Gewohnheiten geht.

Aktualisiert am 25/09/2022 von Bettina Kapfer

Dank unserer Biologie sitzen wir alle im selben Boot

Ein wichtiger – vielleicht sogar der wichtigste Punkt, den ich Ihnen gleich zu Beginn mitgeben möchte ist: Wenn es Ihnen schwer fällt, Vorsätze umzusetzen, sind Sie nicht allein. Wir sitzen alle im selben Boot. Unsere Biologie, die Art und Weise, wie unser Gehirn funktioniert, macht uns zu „Gewohnheitstieren“.

Und in den meisten Fällen ist das etwas Gutes, etwas sehr Gutes sogar. Was Menschen mit den grauen Zellen alles geschaffen, erfunden, bewältigt haben, ist unglaublich. Also danke an wen oder was auch immer dafür verantwortlich ist, dass unser Gehirn so ist, wie es ist.

Aber manchmal, so wie beim Ändern von Gewohnheiten und beim Umsetzen von neuen Zielen und Vorhaben, da macht es uns unsere Biologie auch ein bisschen schwerer, als eigentlich notwendig wäre. Das Gewohnheitstier in uns ist dann ein sturer Esel, der immer wieder den Weg gehen möchte, den er schon kennt, der am einfachsten, schnellsten und direktesten ist.  

Vom Trampelpfad zur Gewohnheits-Autobahn

Jede Gewohnheit beginnt zunächst einmal mit einem kleinen Trampelpfad: Wenn wir etwas Neues machen, dann sind die Verbindungen in unserem Gehirn eher mit einem kleinen Weg, einer Art Trampelpfad zu vergleichen.

Vielleicht gehen wir ihn manchmal, aber es gibt auch noch andere Wege. Und manchmal nehmen wir den einen Weg, und manchmal wählen wir den anderen. Ganz egal, beide führen zum Ziel. Beide sind ungefähr gleich gut und bequem. Sprich, wir können den Esel auch mal dazu überreden, zur Abwechslung einen anderen Weg zu nehmen.

Mit einer Gewohnheit ändert sich auch etwas in unserem Gehirn

Aber wenn der Esel einmal darauf gekommen ist, dass ein Weg besonders bequem ist, dann wird er sich immer öfter für diesen Weg entscheiden. Und wie das so ist, mit einem Trampelpfad – er wird immer breiter, immer mehr ausgetreten und gefestigt. Und irgendwann ist dann aus dem Trampelpfad eine 8-spurige Autobahn entstanden. In anderen Worten: eine Gewohnheit.

Warum unser Gehirn Gewohnheiten so toll findet

In unserem Körper hat das Gehirn als Steuerungszentrale die Aufgabe, unser Überleben zu sichern. Alles, was es anordnet, ist diesem Auftrag untergeordnet. Jahrtausende lang bedeutete das, den Säbelzahntiger auszuweichen. Und andererseits musste auch die Energiezufuhr, also das Essen, sichergestellt werden.

Das heißt, unser Gehirn war ständig damit beschäftigt, sicherzustellen, dass wir genug Energie haben, um all das zu tun. Energiesparen ist also ein Thema, das uns schon sehr lange beschäftigt. Und darum ist die Prämisse „Energie sparen“ ganz fest in unserer Biologie verankert.

Eine Gewohnheit ist für unser Gehirn eine super Möglichkeit, Energie zu sparen. Wenn es einen Weg gibt, der  besser als die anderen ist (schneller, bequemer, direkter), nehmen wir immer wieder diesen einen Weg. Das verhindert, dass wir Energie, Zeit und Mühe darauf verschwenden, einen anderen Weg zu suchen, der dann vielleicht auch noch langsamer zum Ziel führt. Also wie gesagt, eigentlich eine geniale Einrichtung von Mutter Natur.

Im Gehirn bilden Gewohnheiten stark vernetzte Verbindungen

Diese Metapher vom Trampelpfad zur Super-Autobahn beschreibt das, was unsere Nervenbahnen machen: es werden dickere, stabilere Nervenverbindungen gebildet. Ganz nach dem Grundsatz: „Cells that fire together, wire together“. Also Zellen, die gemeinsam aktiviert werden, bilden Verbindungen.  

Zum Beispiel die Verbindung, die uns signalisiert: Couch – Fernseher – Entspannung. Die Verbindungen der Nerven bildet dabei ein Netzwerk. Das bedeutet, dass Sie nicht nur bei den Gedanken an den Fernseher auf der Couch landen, und Entspannung eine Folge davon ist.

Das bedeutet auch, dass Sie bei dem Wunsch nach Entspannung dann auch die Idee „Fernseher“ aktivieren. Das muss jetzt natürlich nicht immer so sein. Vielmehr kommt es darauf an, wie stark die einzelnen Verbindungen ausgeprägt sind.

Wenn Sie also eine stärkere Verbindung zwischen Yoga  und Entspannung haben, dann wird der Wunsch nach Entspannung Sie eher auf die Yogamatte führen, als auf die Couch.  

Gewohnheiten sind also stark gefestigte neuronale Netzwerke im Gehirn.

Wenn es Ihnen so wie mir und vielen anderen auch geht, dann sind das Verbindungen, die über Jahre hinweg mit viel Einsatzbereitschaft und Zeitaufwand gefestigt wurden. Sich da einzumischen, damit tut sich der Sportschuh ziemlich schwer. Und auch ein gutes Buch hat da manchmal durchaus Schwierigkeiten… 😉

Gewohnheiten – Nervenverbindungen – ändern ist leider nicht immer einfach

Wenn sich einmal eine Super-Autobahn gebildet hat, dann ist es leider nicht immer einfach, seine Gewohnheiten wieder los zu werden. Und das ist auch der Grund dafür, warum es nicht ausreicht, sich einfach nur auf das neue Vorhaben zu konzentrieren, wenn es alte Gewohnheiten gibt.

Sondern es braucht auch immer Zeit, bis die neue Gewohnheit die alten quasi überschrieben hat – die neuen Netzwerke stärkere Verbindungen gebildet haben. Es heißt Geduld haben, bis es nicht mehr so mühsam ist, sich zu dem neuen Verhalten zu motivieren.

Oder, um beim Beispiel der Autobahn zu bleiben, bis die alte Super-Autobahn langsam von Gras überwachsen ist, und verschwindet. Und sich stattdessen ein neuer Weg, eine neue Autobahn in Richtung Sportschuhe gebildet hat. Man liest auch oft von den „magischen 40 Tagen“, bis sich eine Gewohnheit gefestigt hat. So genau lässt sich das aber nicht sagen, weil es eben darauf ankommt, wie (schnell) sich die Nervenverbindungen ändern.

Als Faustregel lässt sich festhalten, dass je öfter Sie das neue Verhalten, die neue Gewohnheit ausüben, desto schneller werden sich neue Verbindungen bilden. Und desto beständiger werden sie sein.

Aber wenn Sie die neue Gewohnheit dann wieder schleifen lassen, dann wächst natürlich auch Gras darüber. Auch das ist ein Grundsatz: „Use it or lose it“. Nur jene Verbindungen, die immer wieder aktiviert werden, bleiben bestehen. Das ist mühsam, aber das ist halt leider die Marie-Kondo-Funktion unseres Gehirns.

 Zum Abschluss, kurz zusammengefasst: Was es braucht, um neues Verhalten gut in den Alltag zu integrieren:

  1. Die Aufgabe von alten Gewohnheiten und Zeit, damit diese Verbindungen im Gehirn geschwächt werden
  2. Das regelmäßige Ausüben von neuen Gewohnheiten und Zeit, damit diese neuen Verbindungen im Gehirn gestärkt werden

Halten Sie durch – Sie werden merken, dass es mit der Zeit einfacher wird, das Alte sein zu lassen, und sich mit Freude und Leichtigkeit den neuen Gewohnheiten zu widmen.

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