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Burnout-FAQ (Teil 1): Kann es sein, dass ich Burnout habe?

Haben Sie sich schon einmal gefragt, ob Ihr Stress eigentlich noch "normal" ist? Oder ob das schon Burnout sein könnte? Lesen Sie weiter, um mehr über die Symptome und das Erkennen von Burnout in diesem Teil 1 der FAQ zu Burnout zu erfahren.

Aktualisiert am 30/08/2022 von Bettina Kapfer

Inhaltsverzeichnis

Was ist Burnout eigentlich?

Die meisten von uns verwenden die Bezeichnung „Burnout“ im Alltag dann, wenn wir ausdrücken wollen, dass jemand im Beruf „ausgebrannt“ ist. Oft hört man auch, dass die Person zu viele Stunden in der Woche gearbeitet habe, oder den Stress einfach nicht mehr ausgehalten habe.

Tatstächlich leiden von Burnout Betroffene oft unter einer ganzen Reihe von verschiedenen körperlichen, geistigen und emotionalen Symptomatiken und Problemen. Psycholog*innen diskutieren auch schon lange, was ein Burnout eigentlich ist.

Definition von Burnout gem. ICD-11

Um psychische Erkrankungen einordnen und diagnostizieren zu können, gibt es internationale Klassifikationssysteme. Auch Burnout wird dort erwähnt, aber interessanterweise nicht als eigene Krankheit. Vielmehr wurde in der jüngsten Ausgabe der „International Classification of Diseases (ICD-11) Burnout „nur“ als arbeitsplatzbezogenes Phänomen beschrieben. Es handelt sich um eine sogenannte „Z-Diagnose“. Darunter werden keine Krankheiten, sondern Faktoren verstanden, „die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitssystems führen“.

Burnout-Definition gemäß ICD-11

„Burnout ist ein Syndrom, das durch chronischen arbeitsplatzbezogenen Stress entsteht, der nicht erfolgreich bewältigt werden konnte. Burnout lässt sich anhand von 3 Dimensionen charakterisieren:

  • Gefühl von Energieverlust oder Erschöpfung
  • Steigende mentale Distanzierung vom Job, oder negative Gefühle bzw. Zynismus in Bezug auf den Job
  • Reduzierte berufliche Leistungsfähigkeit

Was sind Ursachen von Burnout?

Die Disposition für ein Burnout ist weder angeboren, noch sind allein die Arbeitsbedingungen schuld. Die Frage nach „nature or nurture“ ist wie so oft so zu beantworten, dass Burnout durch eine Wechselwirkung der individuellen Disposition mit den vorherrschenden Arbeitsbedingungen und Lebensumständen entsteht, beispielsweise:

  • Persönliche Faktoren: Perfektionismus, Schwierigkeiten „Nein“ zu sagen, mangelnde Erholungszeiten, psychische oder körperliche Vorerkrankungen
  • Berufliche Faktoren: unrealistische Erwartungshaltung von Vorgesetzten, Zeitdruck, fehlende Autonomie, Konkurrenzdruck, unsichere Zukunftsperspektiven
  • Private Faktoren: finanzielle Lage, Betreuungspflichten, nicht belastbares soziales Netz
  • Gesellschaftliche Faktoren: Erfüllung von (stereotypen) Rollenerwartungen, Leistungsanforderungen, Arbeitsmarkt

All diese Faktoren können als Belastungen zusammenwirken. Entscheidend für die individuelle Reaktion ist, ob die Person genügend Ressourcen hat. Wobei es sich dabei nicht um eine objektive Aussage handelt. Sondern es kommt auf die subjektive Einschätzung an, ausreichend Kapazitäten zur Bewältigung von Aufgaben bzw. Problemen zu haben, vergleichbar mit der Entstehung von Stress.  

Was sind Frühwarn-Symptome bei Burnout?

Viele der Burnout-Symptome sind interne Veränderungen, die zunächst – wenn überhaupt – nur der betroffenen Person selbst auffallen. Zugleich ist Stress und Arbeitslast in manchen Berufen etwas, das als Ausdruck von Rang und Wichtigkeit im Unternehmen angesehen wird.

In einer Gesellschaft, die permanente Perfektion und Höchstleistungen in der kürzest möglichen Zeit erwartet, kann Stress schon auch mal zum „Statussymbol“ werden. Und ja, das ist jetzt vielleicht etwas überspitzt geschrieben.

Aber was ich ausdrücken möchte ist, dass wir einerseits manchmal gar nicht so am Schirm haben, dass Dauer-Stress etwas für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden wirklich Schädliches ist. Sich selbst zu beobachten und auch mal „Nein“ zu sagen, das ist die Verantwortlichkeit von und für uns selbst.

Und zweitens, dass selbst wenn wir darauf achten, die Stressbelastung am Arbeitsplatz gering zu halten, es oft schwierig ist, die Belastungen von Kolleg*innen zu erkennen. Aber gerade Führungskräfte sind hier gefordert, ein Auge darauf zu haben. Das gleiche gilt natürlich auch im Privatleben, für die Menschen rund um uns.

Warnzeichen, die man kennen sollte

Okay, aber was sind jetzt eigentlich die Warnzeichen, auf die man achten kann und auch sollte?

  • Abschalten gelingt nicht mehr, die Arbeit wird mit in den Feierabend, ins Wochenende, in den Urlaub genommen. Die Gedanken kreisen nur noch um berufliche Themen. Schlafprobleme können folgen
  • Erholungszeiten reichen jetzt nicht mehr, ohne dass dafür ein Grund ersichtlich ist
  • Erholungs-Aktivitäten werden gestrichen, weil entweder die Energie dafür fehlt, oder weil die Zeit in die Arbeit gesteckt wird, um einen Leistungsabfall auszugleichen
  • Gefühl der reduzierten Leistungsfähigkeit im Vergleich zu früher
  • Probleme mit der Konzentration
  • Soziale Probleme und Konflikte nehmen zu
  • Ablehnung und Abwertung von anderen Menschen im Arbeitskontext
  • Anhaltende körperliche Beschwerden (ärztliche Abklärung!) wie Kopfschmerzen, Rückenbeschwerden, Verdauungsprobleme, Libidoverlust,…

„Normaler“ Stress oder Burnout?

Erkrankt jemand an Burnout wird oft gesagt: „Hat den Stress nicht mehr geschafft“. Und auch die ICD-11 Definition von Burnout enthält die Formulierung, dass chronischer Arbeitsstress nicht mehr bewältigt werden konnte.

Kurzfristiger Stress ist normal

Mir ist wichtig festzuhalten, dass Stress grundsätzlich einmal etwas Normales ist, das zu unser aller Leben dazu gehört. Bereits im Mutterleib entwickelt unser Körper darum unser biologisches „Stresssystem“. Wichtig ist jedoch zu unterscheiden, ob es sich um kurzfristigen Stress handelt, den wir gut bewältigen können. Also ob es stressige Phasen sind, auf die dann Erholungsphasen folgen.

Chronischer Stress schädigt die Gesundheit

Aber es gibt eben leider auch chronische Stressbelastungen, ohne zwischenzeitliche Erholung. Und bereits bevor ein Burnout vorliegt, sollte man sich um diese Belastungen kümmern. Es ist nämlich nicht normal, dauerhaft Stresssymptome zu haben. Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, verspannter Nacken, verstärktes Schwitzen, Libidoverlust und noch vieles mehr (siehe Blogartikel zur Stressreaktion) sind nicht normal!

Symptome ernst nehmen

Und auf keinen Fall sollten Sie mit derartigen Symptomen so weiter machen wie bisher. Im ersten Schritt empfiehlt sich IMMER eine ärztliche Abklärung. Erste Anlaufstelle ist in Österreich normalerweise ein*e Allgemeinmediziner*in. Im Idealfall haben Sie jemanden, der zuhört und sich auch die Zeit nimmt, nachzufragen. Aber erfahrungsgemäß ist das leider oftmals nicht der Fall.

Aber lassen Sie sich davon nicht abhalten, und erzählen Sie Ihrem Arzt, Ihrer Ärztin von ALLEN Symptome, die Sie spüren. Auch wenn Sie vielleicht „nur“ wegen der Verdauungsproblematik hingekommen sind. Geben Sie Ihrer Ärztin eine Chance, sich ein umfassendes Bild zu machen – auch wenn es Themen sind, die man nicht so gerne anspricht, wie zB Probleme in der Sexualität.

Symptome, die eher für ein Burnout sprechen

Wie bereits beim Punkt Burnout-Symptome beschrieben, ist das Merkmal der Depersonalisation jenes, das bei einer „normalen“ Stressreaktion nicht auftritt. Auch Gefühle der Hilflosigkeit oder sogar Hoffnungslosigkeit sprechen für ein Burnout.

Erschöpfung bei Burnout ist auch nicht nur rein körperlich oder geistig, sondern zusätzlich auf emotionaler Ebene angesiedelt. Klassisch ist, dass es Betroffenen nicht mehr gelingt, sich ausreichend zu erholen. Es folgt eine Abwärts-Spirale bei der Leistungsverlust durch Mehrarbeit ausgeglichen werden soll. Es gelingt keine (ausreichende) Erholung mehr, wodurch noch weniger geleistet werden kann,…usw. usf.

Welche Symptome hat man bei einem Burnout?

Es gibt Listen von Burnout-Symptomen mit bis zu 130 Symptomen (vgl. Schaufeli und Enzmann, 1998). Die Wahrscheinlichkeit, ein oder mehrere davon bei sich selbst festzustellen ist dann schon relativ hoch. Damit ist glaube ich niemanden wirklich geholfen.

Eine der gängigsten Kategorisierungen, der auch die ICD-11 Definition von Burnout folgt, ist jene von Christina Maslach et. al. Die Merkmale von Burnout werden in die drei Kategorien „emotionale Erschöpfung“, „Depersonalisation“ und „reduzierte Leistungsfähigkeit“ eingeteilt.

Emotionale Erschöpfung

Emotionale Erschöpfung ist mehr als bloße körperliche Müdigkeit nach einer Anstrengung. Es handelt sich dabei um eine Überlastung auf Ebene der Gefühle, die sich beispielhaft so äußern kann:

  • Überforderung in der Zusammenarbeit mit anderen Menschen / in sozialen Arbeitskontexten
  • Gefühle werden nur noch begrenzt zugelassen
  • negative Gefühle in Bezug zur Arbeit nehmen Überhand (Ärger, Frust, Unzufriedenheit,…)
  • Entwicklung von Ängsten (zB Befürchtung, die Arbeit nicht mehr zu schaffen)
  • Gefühl von Hilflosigkeit oder Hoffnungslosigkeit
  • Innere Unruhe und Anspannung

Depersonalisation

Das Symptom der Depersonalisation im Zusammenhang mit Burnout wird auch Dehumanisierung genannt. Gemeint ist eine negative Einstellung zur Arbeit, bzw. insbesondere zu den Menschen, mit denen man im Arbeitskontext zu tun hat. Das können sowohl Vorgesetzte, Kolleg*innen oder Kund*innen udgl. sein.

  •                 Kaltes, unpersönliches Verhalten
  •                 Distanzierte, unpersönliche Gespräche
  •                 Zynismus und Sarkasmus in Bezug auf andere Menschen im Arbeitsumfeld
  •                 Schuldzuweisungen für die eigenen Schwierigkeiten
  •                 verringertes Interesse an der Arbeit und den Ergebnissen der Arbeitstätigkeit

Während insb. die körperlichen Symptome bei Burnout oftmals schwer von einer „normalen“ Stressreaktion abzugrenzen sind, ist das Symptom der Depersonalisation viel deutlicher einem Burnout zuzuordnen.

Reduzierte Leistungsfähigkeit

Das dritte Burnout-Symptom ist das Gefühl der reduzierten beruflichen Leistungsfähigkeit bzw. Kompetenz. In der Forschung ist dabei noch nicht ganz klar, ob es sich dabei um eine Folge von Burnout handelt, oder ob es sich dabei nicht sogar um eine Ursache handelt.

Kann eine Person berufliche Erfolge nicht (mehr) wahrnehmen, so führt dies zum Gefühl der Inkompetenz, und in der Folge zu einer negativen Selbstwahrnehmung. Anstatt Ziele zu verfolgen, haben Betroffene ihren Fokus auf allem, was nicht gut läuft. Das Gefühl des Versagens führt zu Erschöpfung, und dazu, dass Betroffene tatsächlich (qualitativ, quantitativ oder zeitlich) weniger leisten.  

Körperliche Symptome

Chronischer (arbeitsbezogener) Stress führt zu Burnout. Mehr zu den körperlichen Symptomen der Stressreaktion finden Sie im Blogartikel zu den Grundlagen der Stressreaktion.

Als Literaturempfehlung möchte ich an dieser Stelle Katharina Kitze „Burnout – Grundlagen und Handlungswissen für soziale Berufe“ erwähnen. Die obenstehenden Ausführungen sind daran angelehnt.

Ist Burnout eine anerkannte Krankheit in Österreich?

Für die Diagnose von Krankheiten und psychischen Störungen ziehen Ärzt*innen, Therapeut*innen und Psycholog*innen in Österreich anerkannte Klassifikationssysteme heran. Bislang wurde in keinem dieser Klassifikationssysteme Burnout als eigenständige Krankheit anerkannt.

In der jüngsten Ausgabe der „International Classification of Diseases (ICD-11) wird Burnout nur als „Z-Diagnose“ erfasst. Das heißt, Burnout ist demzufolge keine eigene Krankheit, sondern wird als einer jener Faktoren erfasst, „die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitssystems führen“.

Was ist der Unterschied zwischen Burnout und Depression?

Es gibt kaum jemanden von uns, der nicht schon einmal mit einzelnen depressiven Symptomen Bekanntschaft gemacht hat. Traurigkeit, Niedergeschlagenheit oder auch Antriebslosigkeit kommen „in den besten Familien vor“. Diese Gefühle sind völlig normal, insbesondere in Belastungssituationen.

Erst wenn diese Symptome eine bestimmte Dauer, Intensität und auch ein subjektives Krankheitsgefühl erreichen, handelt es sich um eine depressive Störung.

Depressive Störungen und Burnout weisen viele Überschneidungen in der Symptomatik auf: Reizbarkeit, Gefühllosigkeit, Ängstlichkeit, negative Gedanken, Einstellungen und Zweifel gegenüber sich selbst und den eigenen Fähigkeiten, Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten, Energielosigkeit, Müdigkeit, Schlafstörungen, Libidoverlust, geringe Aktivitätsrate, Unruhe,…

Daher ist meine allererste und wichtigste Empfehlung, jedenfalls eine professionelle Diagnose bei einer dazu befähigten Person einzuholen: Klinische Psycholog*innen, Psychotheratpeut*innen oder neurologische Fachärzt*innen sind genau dafür ausgebildet.

Ein Indiz, das Sie an sich selbst überprüfen können, und dann auch Ihrer Ärzt*in berichten können, ist, ob sich etwas an Ihren Symptomen verändert, je nach Umfeld. Fühlen Sie sich anders in Ihrem Arbeitsumfeld, als Sie das in Ihrem Privatleben tun? Beobachten Sie Ihr Aktivitätslevel und Ihre Gefühle, eventuell schreiben Sie dies auch auf, um an sich selbst versteckte Muster zu erkennen.

Darüber hinaus können Sie auch darauf achten, ob Sie Symptome der Depersonalisation an sich beobachten – was wiederum eher für ein Burnout sprechen würde. Wiederum, bitte berichten Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt davon.

Gibt es eine Burnout-Persönlichkeit?

Persönlichkeit ist in der Psychologie ein sehr spannendes Forschungsfeld, das viele unterschiedliche Theorien hervorgebracht hat. Irgendwie lustig, dass gerade dieses Themengebiet, das sich mit den Unterschieden zwischen Menschen beschäftigt, selbst so viele unterschiedliche Theorien hervorbringt. Aber egal, das ist wohl ein fun fact für Psycholog*innen 😉

Eine der bekanntesten Theorien der Persönlichkeit, die mittlerweile sehr gut erforscht wurde, ist das Konzept der „Big Five“. Demzufolge unterscheiden sich Menschen in folgenden fünf Merkmalen:

  •     Offenheit (Aufgeschlossenheit)
  •     Gewissenhaftigkeit (Perfektionismus)
  •     Extraversion (Extravertiertheit),
  •     Verträglichkeit (Rücksichtnahme, Kooperationsbereitschaft, Empathie)
  •     Neurotizismus (emotionale Labilität)

Die Burnout-Forschung hat Zusammenhänge gefunden: sehr neurotische Menschen oder Perfektionist*innen sind öfters von Burnout betroffen. Hingegen gibt es Hinweise darauf, dass extrovertierte Menschen niedrigere Burnout-Raten aufweisen.

Für die Aussage, dass es eine „Burnout-Persönlichkeit“ gibt, reicht das meiner Meinung nach bei weitem nicht. Es gibt nur gewisse Persönlichkeitsmerkmale, die es wahrscheinlicher machen, von einem Burnout betroffen zu sein. Ansonsten gilt das zu den Ursachen von Burnout Gesagte: Es gibt nicht den einen Faktor, sondern es spielen viele verschiedene Faktoren in einer Wechselwirkung zusammen.  

Was ist das 12-Phasen-Modell des Burnouts?

Das 12-Phasen-Modell des Burnouts wurden von Freudenberger und North in ihrem Buch „Burn-out bei Frauen: Über das Gefühl des Ausgebranntseins“ erstmals 1992 beschrieben. Beim 12-Phasen-Modell werden die Stadien von Burnout dem Namen entsprechend sehr detailliert in 12 Schritte zerlegt.

Was Sie betreffend psychologische Modelle wissen sollten

An diesem Modell kann man sich sicherlich gut anhalten, wenn man sich selbst und das eigene Befinden einordnen möchte. Wie immer ist wichtig, dass man die Beschreibung nicht 1:1 für die ultimative Wahrheit ansieht.

Sondern es als das nimmt, was es ist: ein abstraktes Erklärungsmodell, das im Einzelfall aber gar nicht (exakt) zutreffen muss. Nur weil Sie sich in manchen Beschreibungen wiederfinden, heißt das noch nicht, dass Sie ein Burnout haben.

Umgekehrt kann ein Burnout auch vorliegen, obwohl mache Stufen nicht durchgemacht wurden, und nicht alle Punkte erfüllt sind.  Wichtig ist, dass Sie sich an eine Ärzt*in Ihres Vertrauens wenden, um die körperlichen Symptome abklären zu lassen. Und an ein*e Psycholog*in / Therapeut*in Ihres Vertrauens.

Die 12-Phasen des Burnouts

PhaseBezeichnungBeschreibung
Phase 1Zwang, sich zu beweisenEhrgeiz und Perfektionismus werden im Job ausgelebt
Phase 2Verstärkter EinsatzSchwierigkeiten zu delegieren, weil alles selbst und am besten sofort erledigt werden soll
Phase 3Vernachlässigung eigener BedürfnisseUngesunder Lebensstil, eigene soziale und sonstige Bedürfnisse werden vernachlässigt; erste Fehler schleichen sich ein
Phase 4Verdrängung von Konflikten und BedürfnissenSoziale Konflikte werden ebenso wie körperliche Symptome ignoriert; Fehlleistungen werden häufiger
Phase 5Umdeutung von WertenAbstumpfung gegenüber sozialem Umfeld; ehemals wichtige Dinge treten hinter der Arbeit zurück
Phase 6Verleugnung von ProblemenZunehmende Abkapselung; Ungeduld, Intoleranz und Aggressivität im Umgangston; körperliche Beschwerden und Leistungseinbußen werden deutlich
Phase 7Sozialer RückzugUmfeld wird als belastend erlebt; Kritik wird nicht angenommen; Orientierungs- und Hoffnungslosigkeit tritt auf; Dienst nach Vorschrift
Phase 8Änderung des VerhaltensZunehmende Apathie; jede zusätzliche Arbeitsanforderung wird als Belastung empfunden; Ausflüchte werden gesucht
Phase 9DepersonalisationGefühl, „funktionieren zu müssen“; Sinnfrage stellt sich, Vernachlässigung von Gesundheit; Probleme bei sozialen Kontakten ( vgl. Depersonalisation im Sinn von Maslach)
Phase 10Innere LeereBetroffene sind mutlos und fühlen sich leer, nutzlos, ausgezerrt, ängstlich bis panisch; Phobien und Panikattacken können auftreten
Phase 11DepressionEs können depressive Symptome wie Verzweiflung, Selbsthass, Erschöpfung etc. auftreten; Wunsch, nicht mehr aufwachen zu müssen bis hin zu Suizidgedanken
Phase 12Völlige ErschöpfungPsyischer und physischer Zusammenbruch. Nichts geht mehr
Tabelle nach Katharina Kitze, Burnout (2022, S 50)

 

Woher weiß ich, ob ich Burnout habe?

Das ist eine gute Frage. Immerhin lesen Sie gerade einen Artikel über Burnout. Und bevor Sie weiterlesen zur Frage, welche Ärzt*innen oder Psycholog*innen helfen können, oder welchen Test Sie vielleicht brauchen möchte ich Ihnen eine kurze Geschichte davon erzählen, wie der kurze Satz einer Ärztin mich seitdem dabei begleitet, wie ich mit mir selbst umgehe:

Der Auslöser für den Besuch bei der Ärztin liegt schon ein bisschen zurück. Ich hatte damals ich ein wirklich unangenehmes Brennen und Kratzen im linken Auge. Zuerst habe ich ein paar Tage öfters als sonst Augentropfen verwendet. Und meine Probleme einfach darauf geschoben, dass wohl meine Augen trockener als sonst sind. Mit dem Ergebnis, dass das Kratzen immer schlimmer wurde, und ich begonnen habe, mir wirklich Sorgen zu machen.

Und weil ich mir so leidgetan habe, habe ich eventuell beim Termin ausmachen Sätze wie „könnte mir die Augen auskratzen“ oder „nicht auszuhalten“ verwendet. Ich wollte nicht dramatisieren, aber ich habe halt so lange mit dem Anruf bei der Ärztin gewartet, dass ich halt wirklich unentspannt und eeventuellll etwas aufgeregt war.

Daraufhin habe ich am selben Tag noch einen Termin bekommen. Und bin dann mit ein bisschen schlechtem Gewissen vor der Ärztin gesessen und wollte ihr erklären, dass es mir leidtut, wenn ich da „viel Lärm um Nichts“ gemacht habe. Ich hatte so ein bisschen das Gefühl, mir den Termin erschlichen zu haben.

Und die Ärztin war einfach super. Sie sah mir in die Augen (literally) und meinte zu mir:

„Das ist völlig in Ordnung. Sie sind ja keine Neurotikerin. Sondern Sie kennen Ihren Körper und merken, dass da etwas nicht stimmt. Wenn Ihr Körper Ihnen Signale schickt, dass da etwas nicht passt, dann können Sie darauf ruhig vertrauen!

Und tatsächlich stellte sich heraus, dass ich tatsächlich etwas am Auge hatte. Das hätte ich selbst nicht wegbekommen, aber mit den Medikamenten war es kurz darauf behoben.

Langer Rede kurzer Sinn: Wenn Sie hier sind, und sich diese Frage stellen, ob Sie eventuell Burnout-gefährdet sind, dann nehmen Sie dieses Gefühl ernst. Das ist der allerallerallerwichtigste erste Schritt.

Auch „normaler“ chronischer Stress ist etwas, das auf Dauer Ihre Gesundheit massiv schädigen kann. Vom Verlust der Lebenszufriedenheit und -freude gar nicht zu sprechen. Es muss nicht „Burnout“ heißen, bevor Sie etwas dagegen tun sollten.

Sprechen Sie es gegenüber Ihrem Allgemeinmediziner, Allgemeinmedizinerin an und bestehen Sie darauf, ernst genommen zu werden. Halten Sie keine Symptome zurück und berichten Sie offen, wie es Ihnen geht. In allen Lebensbereichen. Sexualität ist zum Beispiel etwas, das von Stress massiv beeinträchtigt wird. Und obwohl es so eine schöne, wichtige Sache in unserem Leben ist, ist es manchmal schwierig, mit anderen darüber zu sprechen. Damit sind Sie nicht alleine!

Aber darüber sprechen ist wichtig. Darum: Seien Sie zuallererst ehrlich mit sich selbst sind, und dann im zweiten Schritt auch offen und ehrlich mit den Menschen, die Ihnen helfen können. Sprechen Sie mit Mediziner*innen oder Psycholog*innen über Ihre Befürchtungen.

Auch ich stehe Ihnen gerne für ein Gespräch zur Verfügung, buchen Sie sich gerne direkt im meinem Termin-Tool ein kostenloses, unverbindliches Kennenlern-Telefonat.

 

Wohin kann ich mich wenden bei Burnout-Verdacht?

Die erste Anlaufstelle bei einem Burnout-Verdacht ist in der Regel ein*e Allgemeinmediziner*in, die dann erforderlichenfalls zur weiteren Abklärung, insbeondere von diffusen Symptomen, weiterverweisen kann. Fachärzt*innen wie Psychiater*innen oder Neurolog*innen sind ein möglicher nächster Schritt im medizinischen Bereich. Da die körperlichen Beschwerden aber sehr vielfältig sein können, ist es auch denkbar, beispielsweise Kreislaufprobleme bei Internist*innen oder Rückenbeschwerden bei Orthopäd*innen abklären zu lassen.

Diesen ersten Schritt, eine gründliche Abklärung der körperlichen Symptome mit (Fach-)Ärzt*innen Ihres Vertrauens würde ich Ihnen auf jeden Fall empfehlen.

Klinische Psycholog*innen und Psychotherapeut*innen können im Rahmen einer Differentialdiagnose auch ausschließen, das eine psychische Erkrankung vorliegt.

Eine Beschäftigung mit den Ursachen der massiven Stressbelastung – ob mit dem Stempel „Burnout“ oder ohne – sollte jedenfalls erfolgen. Das kann gut im Rahmen einer klassischen Therapie erfolgen, oder auch in einem Coaching, in dem der Umgang mit Stress und individuelle Lösungsstrategien gefunden werden.

Melden Sie sich gerne unverbindlich zu einem Kennenlerngespräch, bei dem wir gemeinsam herausfinden, ob ein Anti-Stress-Coaching für Sie der richtige Weg ist.

Brauche ich einen Test zur Diagnose von Burnout?

Es gibt mittlerweile zahlreiche unterschiedliche Tests, um Burnout bzw. Burnout-Gefahr zu messen.

Einer der am häufigsten verwendeten Burnout-Tests ist das Maslach-Burnout-Inventory (MBI, Maslach & Jackson 1981). Hier werden in drei Skalen jene Symptome abgefragt, die der Burnout-Definition von Christina Maslach entsprechen: Emotionale Erschöpfung, Depersonalisation, verringerte Leistungsfähigkeit. Dieser Test liegt mittlerweile in vielen verschiedenen Überarbeitungen, Versionen und Sprachversionen vor. Allerdings gibt es nach wie vor keine „Cut-off“-Werte. Das heißt, es wurde bisher kein Wert X festgelegt, bei dessen Überschreiten man eindeutig von einem Burnout sprechen könnte.

Der Test kann daher nur als Indikator für ein Burnout oder eine Burnout-Gefährdung dienen. Ihre Ärzt*in oder Therapeut*in wird sich daher aufgrund Ihrer sonstigen Symptomschilderungen ein umfassendes Bild machen.

Ebenfalls sehr bekannt sind die Burnout-Screening-Scalen (kurz BOSS) nach Hagemann und Geuenich (2014). Die Aufteilung in drei Skalen (BOS I – 3) macht die Testung etwas zeitintensiver. Im Unterschied zum MBI sind dafür aber Normtabellen vorhanden, sodass die individuellen Testergebnisse ins Verhältnis zu anderen Menschen gesetzt werden können. Hat eine Person also beim BOSS das Ergebnis X, kann abgelesen werden, dass die Person beispielsweise einen höheren Wert als 90% aller anderen Menschen hatte, die den Test auch gemacht haben. Das wäre schon einmal ein sehr hoher Indikator für eine massive Belastung.

Und es gibt noch weitere psychologisches Tests, mit denen getestet werden kann, ob Burnout oder Burnout-Gefährdung möglicherweise vorliegt. Ein solcher Burnout-Test ist jedoch keine Voraussetzung dafür, dass ein Burnout festgestellt werden kann. Sondern es handelt sich immer nur um ein Puzzlestück, das zum Gesamtbild beiträgt. Sie brauchen also nicht unbedingt einen Test.

Das ist wichtig, weil ich Ihnen sehr ans Herz legen möchte, nicht solange damit zu warten, sich Hilfe zu holen, bis irgendein Testergebnis Ihnen dies nahelegt. Bereits wenn Sie das Gefühl haben, zuviel Stress in Ihrem Leben zu haben, die Arbeitsbelastung nicht mehr zu schaffen, oder die Sinnhaftigkeit Ihres Tuns in Frage stellen – suchen Sie sich jemanden, mit dem Sie darüber sprechen können. Es gibt viele Menschen, die genau dafür ausgebildet sind, und genau dafür da sind. Es ist so viel einfacher, wenn man nicht mehr alleine ist damit!  

Es ist eine Stärke, zu erkennen, wie weit man es alleine schafft, und ab welchem Punkt es Zeit für Unterstützung ist.

Krankschreibung bei Burnout

Für Österreich bedeutet die Festlegung von Burnout als arbeitsplatzbezogenes Phänomen, dass es keine eigenständige Krankheits-Diagnose Burnout gibt.

Für eine Krankschreibung oder Verordnung von Medikamenten müssen von den Ärzt*innen daher andere, in den Diagnose-Handbüchern festgelegte Erkrankungen herangezogen werden. Wundern Sie sich daher nicht, wenn Ihre Ärzt*in Ihnen gegenüber ganz normal von Burnout spricht, Sie aber beispielsweise eine Despression diagnostiziert bekommen, und unter diesem Deckmantel krankgeschrieben werden, Psychotherapie oder Medikamente verordnet bekommen. 

Gibt es auch „privaten“ Burnout?

Ausdrücklich wird im ICD-11 festgehalten, dass Burnout – wie in der Definition festgeschrieben – nur auf den beruflichen Bereich bezogen ist.

Gemeint kann damit wohl nur sein, dass reine Freizeitaktivitäten nicht erfasst sein sollen. Freizeit-Stress kann zwar auch belastend sein, führt aber in der Regel nicht zum Erfordernis von Krankenstand und Behandlung.

Hingegen würde ich Burnout nicht nur auf bezahlte Erwerbsarbeit beziehen. Ich denke dabei an die Pflegeleistungen von Angehörigen, oftmals Töchter oder Frauen der Familie, ohne Entgelt. Das ist eine sehr anspruchsvolle und auch stressige Tätigkeit, die meistens noch mit einer eigenen Erwerbstätigkeit oder Haushaltsführung kollidiert. Es wäre meiner Meinung nach sehr zynisch, gerade in solchen Bereichen eine Burnout-Gefährdung zu verneinen.

Ausblick

Im nächsten Teil der Burnout FAQs wird es um Burnout-Prävention gehen, ein Thema das mir besonders am Herzen liegt. Falls Sie nicht so lange warten möchten, dann finden Sie im Blogartikel über Stressbewältigung und wirksame Entspannungstechniken hilfreiche Tipps und psychologische Empfehlungen.

 

Disclaimer: Die Informationen in diesem Blogartikel wurden zum Zeitpunkt des Erscheinens nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert, und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Bei Auftreten von Symptomen wenden Sie sich jedenfalls an einen Arzt, eine Ärztin Ihres Vertrauens zur weiteren Abklärung.

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Mag. iur. Bettina Kapfer, MSc.

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